Wir müssen den Workshop von BDS Austria morgen (Mittwoch, 10 Uhr) leider absagen und werden stattdessen den Film „Five Broken Cameras“ zeigen. Leider können wir nicht garantieren, dass der Workshop in einem Rahmen stattfindet, in dem sich alle Beteiligten sicher und wohl fühlen. Diese Entscheidung wurde in Absprache mit BDS getroffen und wir stehen weiter hinter der Bewegung.

Wir wollen am diesjährigen Klimacamp verstärkt antikolonialen und antiimperialen Stimmen einen Raum in der österreichischen Klimagerechtig-keitsbewegung bieten. Aus diesem Grund haben wir auch BDS Austria eingeladen. Die BDS-Bewegung setzt sich international friedlich und gewaltfrei für die Rechte und Würde von Palästinenser*innen ein. Die Arbeit der Bewegung ist ein wichtiger Teil des Widerstands gegen Apartheid, Genozid und Siedlerkolonialismus – verübt vom Staat Israel.

Außerdem werden die Methoden von BDS (vor allem Divestment und Boykott) auch immer wieder von der Klimabewegung genutzt, um Druck auf klima- und umweltschädliche Unternehmen aufzubauen. Aus diesen Gründen haben wir uns sehr auf den Workshop von BDS Austria am Klimacamp gefreut. Gestern (Montag, 18.05.) berichtete der Falter über unser Camp [1]. Dabei wurde auch erwähnt, dass der österreichische Nationalrat BDS Austria als antisemitisch einstuft. Daraufhin erreichten die Kleine Stadtfarm, auf deren Gelände unser Camp stattfindet, mehrere Nachrichten, die sie dazu drängten, den Workshop nicht stattfinden zu lassen.

Wir haben einige Gespräche geführt und uns ist klar geworden, dass wir nicht garantieren können, dass der Workshop in einem Rahmen stattfindet, in dem sich alle Beteiligten sicher und wohl fühlen. Daher haben wir in Absprache mit BDS entschieden, den Workshop morgen abzusagen. Das ist frustrierend und enttäuschend. Es ist uns wichtig zu erwähnen, dass wir uns keineswegs von BDS oder deren Methoden distanzieren wollen und auch in Zukunft gerne mit ihnen zusammenarbeiten werden.

Dieser Vorfall ist keineswegs ein Einzelfall. Der Beschluss des Nationalrats (und ähnliche Beschlüsse des Wiener und Grazer Gemeinderats), der BDS Austria als antisemitisch einstuft und die Zusammenarbeit und Förderung der Bewegung verbietet, ist ein gutes Beispiel für die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus. Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass der Antrag einstimmig beschlossen wurde. Bedingungslose Solidarität mit Israel ist also das Programm aller im Parlament vertretenen Parteien.

(Pro-)palästinensische Stimmen werden auch in den österreichischen Medien – unabhängig von deren politischen Positionierung – pauschal als antisemitisch oder terrorverherrlichend dargestellt und damit delegitimiert. Auch „linke“ Medien, wie der Falter, sind Teil des Problems. Amnesty International sieht die Meinungsfreiheit im Bezug auf Palästinasolidarität durch Antisemitismus-vorwürfe eingeschränkt und schreibt von einem „chilling effect“, der Menschen davon abhält, sich mit Palästinenser*innen zu solidarisieren [2]. Diese Beobachtung haben wir hier auch gemacht. Es ist aber auch klar, dass Schweigen keine Option ist, und wir rufen alle auf, sich mit BDS zu solidarisieren.

Eigentlich sollten Palästinenser*innen selbst zu Wort kommen. Es sollte um den Genozid, die Apartheid und die Vertreibung gehen. Das Leid, aber auch der Widerstand und die Standhaftigkeit. Stattdessen geht es hier wieder um das Silencing pro-palästinensischer Stimmen und die Komplizenschaft österreichischer Medien und der Politik. Es tut uns sehr leid, dass der Workshop morgen nicht stattfinden kann. Kommt gerne trotzdem am Camp vorbei und wir schauen gemeinsam „Five Broken Cameras“.

Free Palestine!

[1] https://www.falter.at/morgen/20260518/zwischen-den-fronten-des-eurovision-song contests

[2] https://cdn.amnesty.at/media/heak4lqe/amnesty-bericht_oesterreich_die meinungsfreiheit-ist-hochgradig-selektiv_2026-03.pdf