Rückblick: Aktionstag – Klimacamp

Rückblick: Aktionstag

Auch nach der Aktion wollen wir uns gegenseitig unterstützen so gut wir können. Deswegen bitten wir alle, die entweder selbst Polizeigewalt erfahren haben oder dabei Zeugen wurden, sich bei uns zu melden! Auch wenn ihr eine Anzeige zugeschickt bekommt oder noch Bild- und Videomaterial habt, meldet euch bitte bei uns unter aktionstag[at]klimacamp.at damit wir die Polizeirepressionen im Rahmen des Aktionstags sammeln  und euch unterstützen können. Den PGP Schlüssel zur E-Mail Adresse findet ihr hier. Für  emotionale Nachbereitung des Aktionstags meldet euch außerdem gerne bei care[at]klimacamp.at

Es hat sich bewährt, in solchen Fällen sogenannte Gedächtnisprotokolle anzufertigen – das hilft allen Teilnehmenden zur Verarbeitung und den Betroffenen von Polizeigewalt mit der Beweisführung. Wichtig ist, dass ihr nur Dinge aufschreibt, die ihr tatsächlich beobachten konntet oder erfahren habt. Je früher ihr das Protokoll schreibt, desto weniger seid ihr in Gefahr, Reflexionen und anderswo Gehörtes mit euren Erinnerungen zu vermischen.
Wenn ihr Zeugen von Polizeigewalt wart, dann hilft es der betroffenen Person, wenn ihr genau diese Stelle detailliert beschreiben und mit uns teilen könnt. Wichtig ist, dass ihr dabei auch angebt, ob ihr im Falle des Falls auch bereit wärt, als Zeuge für die Situation aufzutreten! Wenn ihr in der Aktion beteiligt wart und eure Identität verweigert habt, würde ihr diese dadurch preisgeben. Wir verstehen das als einen Akt der Solidarität und möchten eventuelle Konsequenzen gerne gemeinsam besprechen und tragen!

Unterstützt außerdem gerne unseren Soli-Fonds für Menschen, die von Polizeigewalt und/oder Repression im Rahmen des Aktionstags betroffen sind.

KlimaRad
IBAN: AT81 1420 0200 1097 1218
BIC/SWIFT: EASYATW1
Verwendungszweck: Soli-EGW2019

 

„Erobern wir uns die Stadt von den Autos zurück!“ war das Motto des Aktionstags im Rahmen des Klimacamps. Der Tag hat gezeigt, wie vielfältig und stark die Klimagerechtigkeitsbewegung ist. Menschen aller Altersgruppen demonstrierten in unterschiedlichen Aktionsformen für eine klimagerechte Zukunft in Wien und auf unserem gesamten Planeten. Zeitgleich fand der freitägliche Streik der FridaysForFuture-Bewegung statt – insgesamt waren somit weit über 35.000 Menschen in Wien für Klimagerechtigkeit auf der Straße!

Im Rahmen des Aktionstags machten sechs verschiedene Gruppen ihren Protest laut. Fotos dazu gibt es unter: https://www.flickr.com/photos/165549340@N04/albums

Menschen auf FahrrädernDrei Aktionen fokussierten besonders auf das Thema Autoverkehr – vor dem Hintergrund, dass der motorisierte Verkehr Österreichs Klimakiller Nummer 1 ist. So sind die Emissionen aus dem Verkehr seit 1990 um über 70 % angestiegen – das ist so viel wie in keinem anderen Bereich​​​​​​​. Noch immer nehmen uns Fahrzeuge in den Städten den Platz zum Leben und die Luft zum Atmen. Jedes Jahr kommen hunderte Menschen durch Verkehrsunfälle und sogar Tausende durch die Folgeschäden der Luftverschmutzung in Österreich ums Leben. Auch global hat unser Mobilitätssystem fatale Auswirkungen: Einerseits werden Menschen im Globalen Süden für die Gewinnung der für die Fahrzeuge hierzulande nötigen Ressourcen ausgebeutet. Andererseits heizt der Autoverkehr die Klimakrise an – die wiederum Gemeinschaften im Globalen Süden am stärksten trifft. Diese Ungerechtigkeiten stellten die Aktionen an den Pranger und forderten eine tiefgreifende Mobilitätswende. Was geschah im Detail?

Eine kritische Masse aus Menschen auf Fahrrädern rollte durch Wien, nahm sich den Platz, den sie brauchte und schuf so mehrere temporäre „Straßensperren“. Noch immer ist der Platz im öffentlichen Raum ungerecht verteilt – breite Straßen für Autos lassen keinen Raum für andere Fortbewegungsmittel und schaffen oft gefährliche Situationen für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen. Schon jetzt sind viele Menschen zu Fuß, mit dem Rad oder den Öffis unterwegs – PlatzFAIRteilung im Verkehr muss her!

Extincreglos am Boden liegende Menschention Rebellion veranstaltete mehrere Aktionen rund um den Demozug mit Greta Thunberg. Unter anderem wurde das Massenaussterben vor dem Bundeskanzleramt, dem Haus der Industrie und am Schwedenplatz mit Die-Ins, temporären Straßenblockaden und Redebeiträgen sicht- und hörbar gemacht. Am Ende des Aktionstags luden die Rebellierenden alle beteiligten Aktivist*innen zur Salztorbrücke ein. Statt Straßenverkehr gab es dort mehrere Stunden lang gedumpstertes Essen, Musik und Regeneration. Der Radverkehr durfte die Brücke auch während der Aktion passieren.Blockade Urania

Bei der Ende Geländewagen-Aktion blockierten 250 Menschen die Ringstraße auf der Aspernbrücke. Sie nahmen den Kampf gegen die Klimakrise selbst in die Hand und befreiten den Wiener Ring fast fünf Stunden lang vom Autoverkehr – ganz nach dem Motto des Aktionstags. Denn historisch gesehen war dort, wo jetzt nur Asphalt ist, einmal eine grüne Erholungsfläche für die Bevölkerung. Mit Tripods (dreibeinigen Holzgestellen) und Menschen, die sich von der Brücke abseilten, schufen die Aktivist*innen eine effektive Blockade. Damit leiteten sie die Mobilitätswende ein, denn die ist nicht nur angesichts der Klimkrise dringend notwendig!

Protestgruppe vor Raiffeisen-ZentraleDie Farmers For Future verliehen ihrem Protest vor der Raiffeisen-Zentrale lautstark Ausdruck. Zentrales Thema dabei: Klimagerechtigkeit statt Konzernmacht! Attac, ÖBV – Via Campesina Austria, das Netzwerk Soziale Verantwortung, FIAN, Südwind und die IG-Milch forderten gemeinsam einen UN-Vertrag, mit dem Konzerne weltweit für Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen werden können sowie eine ökologische Landwirtschaft ohne Ausbeutung von Mensch und Tier. Denn die industrielle Landwirtschaft, aber auch Sonderklagerechte gegen Staaten sind eine Gefahr für unsere Lebensgrundlagen. Die IG-Milch machte zusätzlich ihre Kritik an der Machtkonzentration in der Milchwirtschaft stark.

Mit der 3. Piste wollen Regierung und Flughafen Wien ein wahres Monsterprojekt umsetzen und das fossile Mobilitätssystem auf weitere Jahrzehnte einzementieren. System Change, not Climate Change! tanzte dagegen an. Menschen in roten Anzügen machten die schädlichen Auswirkungen der 3. Piste symbolisch sichtbar und brachten sie in die Stadt. Mit sechs riesigen Aktivisten in roten Anzügen mit Cubessilbernen Würfeln stellten sie die katastrophale Klimawirkung durch eine zusätzliche 3. Piste am Flughafen Wien dar: insgesamt 3  Millionen Tonnen CO2-Äquivalente! Außerdem hatten sie einen weitaus kleineren Würfel mit, der 30.000 Tonnen CO2 darstellt. Das ist nämlich die Einsparung, die der Flughafen laut Auflagen leisten muss, um die 3. Piste bauen zu dürfen – lächerlich, aber leider wahr.

Um alles zu verändern, braucht es uns alle! Davon nehmen wir auch die Jüngsten unter uns nicht aus. Bei der Kinder- und Jugendaktion des Klimacamps wurden sie nicht nur gehört, sondern konnten ihren Gedanken und Gefühlen auch mit Pinsel und Farbe eine Form geben. In Ländern des Globalen Südens bekommen viele Kinder und Jugendliche schon jetzt die dramatischen Auswirkungen unseres zerstörerischen und ausbeuterischen Wirtschaftssystems zu spüren. Auch ihre Stimmen wurden hörbar gemacht, indem ihre Briefe von Jugendlichen bei der Aktion verlesen wurden. So beschreibt etwa Tabrez die Situation in Indien: “In den letzten Jahren hat sich das Klima in meinem Land stark verschlechtert. Unsere Bauern sind das größte Opfer dieser Veränderungen.” malende Kinder

Meschen vor Klimagerechtigkeit-Transparent

 

 

 

 

 

Vielfältige Protestformen sind wichtig, um die Dringlichkeit der Klimakrise aufzuzeigen und einen gesellschaftlichen Wandel zu erwirken. Was in Wien schon gut funktioniert hat, wollen wir auch international weiterführen: Die Kampagne by2020weriseup vernetzt die Klimagerechtigkeitsbewegung in ganz Europa, damit wir mit vereinten Kräften unsere Aktionen noch wirksamer machen können.