{"id":24458,"date":"2026-04-06T21:49:38","date_gmt":"2026-04-06T19:49:38","guid":{"rendered":"https:\/\/klimacamp.at\/?page_id=24458"},"modified":"2026-04-06T22:17:58","modified_gmt":"2026-04-06T20:17:58","slug":"positionspapier-klimacamp-2026","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klimacamp.at\/en\/positionspapier-klimacamp-2026\/","title":{"rendered":"Positionspapier Klimacamp 2026"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left\"><em>ENGLISH version below<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text ist ein Versuch der Klimacamp-Gruppe 2026, unser Verst\u00e4ndnis von Klimagerechtigkeit und internationaler Solidarit\u00e4t darzustellen und Stellung zu anti-imperialen und anti-kolonialen K\u00e4mpfen zu beziehen. Der Text dient auch als Entschuldigung f\u00fcr unser Schweigen zum Genozid an Pal\u00e4stinenser:innen und f\u00fcr unsere fehlende Positionierung dazu. Da wir eine sich stetig ver\u00e4ndernde Gruppe sind, bleibt unsere Haltung ein fortlaufender Prozess des Lernens und des Dialogs. <\/em><br>Hier eine vereinfachte Zusammenfassung vom Positionspapier:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klimagerechtigkeit hei\u00dft, soziale und politische Ursachen und Auswirkungen in der Klimakrise mitzudenken und zu bek\u00e4mpfen. Die Klimakrise kann nicht als eine rein \u00f6kologische oder technische Herausforderung verstanden werden. Zentral ist, dass L\u00e4nder und Menschen Verantwortung \u00fcbernehmen f\u00fcr die von ihnen verursachten Sch\u00e4den. Wir setzen uns f\u00fcr einen Systemwandel hin zu einer solidarischen Gesellschaft ein, in der die Bed\u00fcrfnisse und Rechte aller im Zentrum stehen, anstatt die Ausbeutung von Menschen und Natur f\u00fcr die Profite der Wenigen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf dem diesj\u00e4hrigen Klimacamp wollen wir unseren Blick st\u00e4rker auf anti-imperiale und anti-koloniale K\u00e4mpfe legen und Raum f\u00fcr Austausch und Weiterbildung zu diesen Themen schaffen. Dabei ist es uns besonders wichtig, uns solidarisch mit dem jahrzehntelangen Widerstand von Pal\u00e4stinenser:innen gegen israelische Besatzung und Genozid zu zeigen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Begriffe mit einem Sternchen dahinter werden am Ende des Textes im Glossar erkl\u00e4rt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Unser Verst\u00e4ndnis von Klimagerechtigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Klimakrise kann nicht als eine rein \u00f6kologische oder technische Herausforderung verstanden werden, sondern muss auch als eine soziale und politische Krise begriffen und bek\u00e4mpft werden. Die Klimakrise ist die Folge von miteinander zusammenh\u00e4ngenden Herrschaftssystemen, wie der kapitalistischen Wirtschaftsweise, Imperialismus, Kolonialismus, Rassismus und Patriarchat. Daraus folgt, dass wir auch genau diese Urspr\u00fcnge bek\u00e4mpfen m\u00fcssen. Klimaschutz, der nur \u00f6kologische oder technische L\u00f6sungen fordert, ignoriert die tats\u00e4chlichen Ursachen und Auswirkungen der Krise. Die L\u00f6sungen m\u00fcssen materiell, sozial und politisch sein. Was es braucht, ist ein umfassender Systemwandel hin zu einer solidarischen Gesellschaft, in der die Bed\u00fcrfnisse und Rechte aller im Zentrum stehen, anstatt die Ausbeutung von Menschen und Natur f\u00fcr die Profite von Wenigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klimagerechtigkeit bedeutet, klima- und umweltpolitische Machtungleichheiten und Unterdr\u00fcckungen mitzudenken und abzubauen. Der Begriff Klimagerechtigkeit stammt aus BIPOC*<em>&#8211;<\/em>Bewegungen, die sich in den USA der 1980er gegen Umweltrassismus erhoben. Sie protestierten gegen die diskriminierende Weise, in der umweltsch\u00e4dliche Kraftwerke vorrangig in ihren Wohngegenden gebaut wurden, nachdem <em>wei\u00dfe<\/em>* Amerikaner:innen erfolgreich gegen deren Errichtung in ihren eigenen Vierteln mobilisiert hatten.<br>Die mittlerweile weltweite Klimagerechtigkeitsbewegung betont, dass Menschen von den Auswirkungen der Klimakrise ungleich betroffen sind und dass nicht alle in gleichem Ausma\u00df die Klimakrise mitverursachen. Solche Ungerechtigkeiten dr\u00fccken sich auf lokaler Ebene (z. B. wenn<br>weniger privilegierte Menschen sich keine Klimaanlage als Schutz gegen Hitze leisten k\u00f6nnen) und auch auf globaler Ebene aus. L\u00e4nder des Globalen Nordens* verursachen seit Jahrhunderten mehr Treibhausgase und unsere Lebensweise beruht auf der Ausbeutung von Menschen, Tieren und Natur im Globalen S\u00fcden*. Solche Diskriminierungen m\u00fcssen intersektional betrachtet werden. Das bedeutet, dass Personen mehrfache Unterdr\u00fcckung erfahren k\u00f6nnen und unterschiedlich betroffen sind, wenn sich verschiedene Formen von Diskriminierung \u00fcberschneiden. In Regionen des Globalen S\u00fcdens, die mehr unter D\u00fcrre leiden, als L\u00e4nder des Globalen Nordens, trifft es beispielsweise eine B\u00e4uerin besonders stark. In Hitzewellen wird eine chronisch kranke BIPOC besonders benachteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leisten Widerstand gegen diese Ungerechtigkeiten und k\u00e4mpfen aktiv f\u00fcr unsere Utopie einer klimagerechten Welt, in der ein gutes und selbstbestimmtes Leben f\u00fcr alle m\u00f6glich ist.<br>Reiche L\u00e4nder m\u00fcssen ihre Verantwortung wahrnehmen und f\u00fcr eine gerechtere Zukunft verursachte Sch\u00e4den wiedergutmachen. Als Bewohner:innen eines solchen Landes sind wir uns unserer privilegierten Position bewusst und wollen so gut wie m\u00f6glich Verantwortung \u00fcbernehmen und unsere Privilegien im Kampf f\u00fcr eine gerechtere Welt nutzen. Gleichzeitig m\u00fcssen wir als vorwiegend wei\u00dfe* und akademisch gepr\u00e4gte Gruppe in Europa unsere eigene Rolle und Machtposition laufend kritisch reflektieren. Wir erkennen die Relevanz von antirassistischem und antikolonialem Klimaaktivismus an, in dem die Dominanz von wei\u00dfen* Personen hinterfragt wird und Klimaaktivismus aus der Mehrheitswelt<em>, von BIPOC<\/em>, Arbeiter:innen und Migrant:innen mehr Beachtung findet. Die Stimmen von betroffenen Personen und Gruppen sollen mehr Raum haben und diese sollen mitbestimmen k\u00f6nnen, wie wir \u00fcber die Klimakrise sprechen und entscheiden, was dagegen getan werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Zusammenhang von Klimagerechtigkeit mit Anti-Imperialismus und Pal\u00e4stinasolidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klimagerechtigkeit kann nur in Verbindung mit anti-imperialistischen, anti-kolonialen und anti-militaristischen K\u00e4mpfen erreicht werden. Unser Widerstand muss ein globaler Kampf gegen Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und Ungerechtigkeiten jeglicher Art sein. Deswegen richten wir uns gegen die weltweite Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der f\u00fcr Macht und Profit Gruppen ermordet, vertrieben, ausgebeutet und entrechtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erkennen an, dass Teile der deutschsprachigen Klimagerechtigkeitsbewegung eine Reflexion der globalen Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse und eine Solidarisierung mit anti-imperialen K\u00e4mpfen und insbesondere mit jenen gegen die Unterdr\u00fcckung von Pal\u00e4stinenser:innen lange vernachl\u00e4ssigt haben. So auch das Klimacamp. Wir nehmen dies als schwerwiegenden Fehler sehr ernst und entschuldigen uns f\u00fcr unser vergangenes Schweigen und die versp\u00e4tete Verantwortungs\u00fcbernahme. Wir erkennen an, dass dieses Z\u00f6gern auf unseren wei\u00dfen* Privilegien beruht und damit rassistisch ist. Da wir von der Gewalt und den Repressionen der pal\u00e4stinensischen Bewegung nicht direkt betroffen sind, haben wir die notwendige Auseinandersetzung mit dem Genozid in Gaza und eine entsprechende Positionierung vernachl\u00e4ssigt. Dieses Positionspapier ist ein erster Versuch, zu handeln, unsere vergangene Nicht-Haltung kritisch zu reflektieren und unsere Auseinandersetzung mit den Themen Pal\u00e4stina, Anti-Imperialismus und Dekolonialismus zu st\u00e4rken. Als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung solidarisieren wir uns mit Gruppen, die gegen imperiale und koloniale Ausbeutung in Pal\u00e4stina, Sudan, Kongo und anderen Regionen k\u00e4mpfen. Denn nur gemeinsam Seite an Seite k\u00f6nnen wir genug St\u00e4rke gegen s\u00e4mtliche, lokale und globale Strukturen der Gewalt und Herrschaft aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Teil dieses Aufarbeitungsprozesses wollen wir auf dem diesj\u00e4hrigen Klimacamp unseren Blick auf anti-imperialistische und anti-koloniale K\u00e4mpfe lenken und Raum f\u00fcr Austausch, Weiterbildung und Widerstand zu diesen Themen schaffen. Wir wollen Menschen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung ermutigen, sich mit internationalen Befreiungsk\u00e4mpfen (in Pal\u00e4stina und anderen Regionen) auseinanderzusetzen und gemeinsame Reflexion und aktive Solidarit\u00e4t st\u00e4rken. Gleichzeitig wollen wir M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Vernetzung der Pal\u00e4stina-solidarischen Bewegungen schaffen und R\u00e4ume f\u00fcr betroffene Communities oder Widerstand leistende Gruppen anbieten, die nach deren eigenen Bed\u00fcrfnissen und Ideen gestaltet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Organisator:innen des diesj\u00e4hrigen Klimacamps ist es uns besonders wichtig, unsere Solidarit\u00e4t mit dem jahrzehntelangen Widerstand von Pal\u00e4stinenser:innen gegen israelische Besatzung und Genozid auszusprechen. Wir sind solidarisch mit jenen Gruppen, die hier und weltweit gegen israelischen Genozid, Apartheid und Siedlungskolonialismus k\u00e4mpfen und gerade auch in \u00d6sterreich starke Repressionen und fehlende Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihren Widerstand erfahren haben. Wir unterst\u00fctzen insbesondere K\u00e4mpfe, die von unten gegen Krieg, V\u00f6lkermord, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung und f\u00fcr eine antikapitalistische, solidarische und gerechte Gesellschaft k\u00e4mpfen. Wir sind \u00fcberzeugt, dass Bewegungen, die faschistische, fundamentalistische oder patriarchale Ideologien vertreten und reproduzieren, nicht die Befreiung der Menschen als Ziel haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir stellen uns gegen jede Form der Ungerechtigkeit und Diskriminierung und sprechen uns explizit gegen anti-muslimischen Rassismus und Antisemitismus aus. Als eine Gruppe, die sich in einem imperialen Zentrum bewegt und davon profitiert, nehmen wir unsere Verantwortung wahr, uns gegen die menschenverachtenden Handlungen der \u00f6sterreichischen Politik und Wirtschaft zu stellen. Wir verurteilen die Unterst\u00fctzung Israels \u2013 in Form von Waffenlieferungen aber auch technologischer, wirtschaftlicher und diplomatischer Zusammenarbeit \u2013 durch westliche Staaten, insbesondere durch \u00d6sterreich, und damit einhergehend deren Mitschuld am Leid der Pal\u00e4stinenser:innen. Wir sprechen uns entschieden gegen jede Form der Legitimierung oder Verharmlosung der Unterdr\u00fcckung von Pal\u00e4stinenser:innen und des an ihnen begangenen V\u00f6lkermords aus. Wir lehnen Stimmen ab, die die im Oktober verk\u00fcndete Waffenruhe als L\u00f6sung darstellen, w\u00e4hrend weiterhin beinahe t\u00e4gliche israelische Angriffe erfolgen und seit Jahrzehnten bestehende Unterdr\u00fcckung, Besatzung und Entrechtung aufrechterhalten bleiben. Der Genozid darf jedoch keine Rechtfertigung f\u00fcr Antisemitismus sein. Gleichzeitig stellen wir uns gegen eine Instrumentalisierung des Antisemitismus-Begriffs, um eine Kritik am Staat Israel und an imperialen Verh\u00e4ltnissen zu delegitimieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erkennen das Leid und die Ungerechtigkeiten, die unz\u00e4hlige Menschen erfahren, sowie die historischen und aktuellen Traumata von j\u00fcdischen, muslimischen und pal\u00e4stinensischen Gemeinschaften an. Das Massaker der Hamas an israelischen Zivilist:innen am 7. Oktober 2023 hat uns schockiert und wir distanzieren uns klar davon. Die darauf folgenden ungleich vernichtenderen Angriffe und Kriegsverbrechen Israels, in dem Zigtausende Pal\u00e4stinenser:innen ermordet, Gaza als Tr\u00fcmmerfeld hinterlassen und die Vertreibung von Pal\u00e4stinenser:innen im Westjordanland intensiviert wurden, erf\u00fcllen uns mit Entsetzen. Dabei m\u00fcssen die Geschehnisse der letzten Jahre in ihrem historischen Zusammenhang betrachtet werden. Die Benachteiligung, Entmenschlichung, Entrechtung, Vertreibung und Ermordung von Pal\u00e4stinenser:innen hat bereits Jahrzehnte vor dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 begonnen. Diese historische Kontinuit\u00e4t von Landraub,<br>struktureller Diskriminierung und T\u00f6tung von Pal\u00e4stinenser:innen ist f\u00fcr uns zentral. <br>Die Gr\u00fcndung des Staates Israels steht eng mit der Geschichte weltweiter antisemitischer Verfolgung und dem fehlenden Schutz j\u00fcdischer Bev\u00f6lkerungsgruppen, insbesondere in Europa, in Zusammenhang. Gleichzeitig haben auch die Ideologie des Zionismus* und imperiale Interessen von anderen Staaten dabei eine gro\u00dfe Rolle gespielt. Im Rahmen der Staatsgr\u00fcndung wurden Verbrechen an Pal\u00e4stinenser:innen begangen, die bis heute andauern und mit nichts zu rechtfertigen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen uns dieses Jahr beim Klimacamp weiter mit diesen Themen besch\u00e4ftigen und setzen die Schwerpunkte Lobauautobahn, Sozialk\u00fcrzungen und Anti-Imperialismus. Diese K\u00e4mpfe sind miteinander verbunden und nur gemeinsam kann eine gerechte Ver\u00e4nderung entstehen. Aktive Solidarit\u00e4t mit Menschen im Widerstand steht dabei im Vordergrund. Wir laden Betroffene und Interessierte ein, mit ihren Beitr\u00e4gen das Camp mitzugestalten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>GLOSSAR<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIPOC<\/strong> ist ein Begriff f\u00fcr Black, Indigenous, People of Color und ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die nicht als wei\u00df wahrgenommen werden und\/oder sich selbst nicht so definieren. Schwarz beschreibt nicht eine tats\u00e4chliche oder angenommene ethnische Gruppe und auch nicht die Hautfarbe oder eine biologische Eigenschaft. Es handelt sich um einen politischen Begriff, der auf die Rassismuserfahrung dieser Menschen verweist und deshalb gro\u00df und manchmal gro\u00df und kursiv geschrieben wird. \u201eIndigenous\u201c ist eine englischsprachige Selbstbezeichnung von Bev\u00f6lkerungsgruppen, deren Angeh\u00f6rige im Zuge des Kolonialismus ermordet oder von ihrem Land verdr\u00e4ngt wurden und die auch heute oft weiterhin ausgebeutet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>wei\u00df<\/em><\/strong> ist kursiv geschrieben, um zu signalisieren, dass es nicht um eine Hautfarbe geht, sondern um eine gesellschaftliche Machtposition. Auch wei\u00df ist also kein blo\u00dfes Adjektiv, sondern ein politischer Begriff.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FLINTA*<\/strong> ist ein Begriff f\u00fcr Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbin\u00e4re, Trans und Agender Personen. Das Sternchen steht f\u00fcr Personen, die sich nicht in den genannten Begriffen wiederfinden, aber auch durch ihre Geschlechtsidentit\u00e4t Diskriminierung erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Globaler S\u00fcden\/Norden<\/strong> sind keine geografischen Bezeichnungen, sondern Begriffe, die auf unterschiedliche Positionen von L\u00e4ndern im globalen Kontext hinweisen und soziale, politische und wirtschaftliche Ungleichheiten beschreiben. Sie verweisen auf die unterschiedlichen Erfahrungen mit Kolonialismus und Ausbeutung und versuchen, auf abwertende Beschreibungen (z. B. \u201eDritte Welt\u201c, \u201eEntwicklungsland\u201c) zu verzichten. Als Globaler S\u00fcden werden Gebiete und Bev\u00f6lkerungsgruppen bezeichnet, die im Vergleich zu anderen historisch und gegenw\u00e4rtig benachteiligt, ausgebeutet und unterdr\u00fcckt werden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mehrheitswelt<\/strong> wird zunehmend als Alternative zum Begriff Globaler S\u00fcden verwendet. Der Begriff verdeutlicht, dass diese L\u00e4nder und Gruppen die Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung ausmachen, sie aber oft marginalisiert werden und nicht gleiches Mitspracherecht bei politischen Entscheidungen haben. Minderheitswelt bezeichnet umgekehrt wirtschaftlich und politisch dominante L\u00e4nder und Gruppen, die trotz ihres geringeren zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteils an der Weltbev\u00f6lkerung unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel Macht haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zionismus<\/strong> ist eine nationalistische politische Ideologie, mit dem Ziel, einen j\u00fcdischen Nationalstaat auf dem historischen Gebiet Pal\u00e4stina zu errichten und zu erhalten. Der Zionismus entstand im 19. Jahrhundert im Kontext des starken Anstiegs von antisemitischen Verbrechen und hat unterschiedliche Formen und Definitionen. Der Zionismus war die zentrale Ideologie hinter der Staatsgr\u00fcndung Israels und f\u00fchrte zur Vertreibung und Ermordung zahlreicher Pal\u00e4stinenser:innen. Wie viele Pal\u00e4stina-solidarische und linke j\u00fcdische Gruppen verstehen wir Zionismus als eine kolonialistische Siedlerbewegung, die zu Enteignung, Besatzung, und einem Apartheidstaat gef\u00fchrt und diese legitimiert hat. Zionismus ist nicht gleichzusetzen mit dem Judentum.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">ENGLISH<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Klimacamp 2026 Position Paper<\/p>\n\n\n\n<p><em>This text is an attempt by the organizing group of the Klimacamp (Climate Camp) 2026 to articulate our understanding of climate justice and international solidarity, and to take a stance on anti-imperialist and anti-colonial struggles. The text also serves as an apology for our silence regarding the genocide against Palestinians and for our failure to take a position on this issue. Since we are a constantly evolving group, our stance remains an ongoing process of learning and dialogue.<\/em> <br>Here is a simplified summary of the position paper:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><strong>Climate justice means addressing the social and political causes and effects of the climate crisis. The climate crisis cannot be understood as a purely ecological or technical challenge. It is essential that countries and people take responsibility for the damage they have caused. We advocate for systemic change toward a society based on solidarity, in which the needs and rights of all are central, rather than the exploitation of people and nature for the profits of the few. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>At this year\u2019s Climate Camp, we want to focus more closely on anti-imperialist and anti-colonial struggles and create space for discussion and learning on these topics. We find it particularly important to show solidarity with the decades-long resistance of Palestinians against Israeli occupation and genocide.<\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><em>Terms marked with an asterisk are explained in the glossary at the end of the text.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Our Understanding of Climate Justice<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>The climate crisis cannot be understood as a purely ecological or technical challenge but must also be recognized and addressed as a social and political crisis. The climate crisis is the result of interconnected systems of domination, such as the capitalist economic system, imperialism, colonialism, racism, and patriarchy. Therefore, our fight against it must also address these root causes. Climate protection that calls only for ecological or technical solutions ignores the actual causes and effects of the crisis. The solutions must be material, social, and political. What is needed is a fundamental systemic transformation toward a society based on solidarity, in which the needs and rights of all are at the center, rather than the exploitation of people and nature for the profits of a few.<\/p>\n\n\n\n<p>Climate justice means acknowledging and addressing power imbalances and oppression in climate and environmental issues. The term &#8220;climate justice&#8221; originated in BIPOC* movements that rose up against environmental racism in the United States in the 1980s. They protested against the discriminatory practice of building environmentally harmful power plants primarily in their neighborhoods after <em>white<\/em>* Americans had successfully mobilized against their construction in their own neighborhoods. <\/p>\n\n\n\n<p>The now global climate justice movement emphasizes that people are disproportionately affected by the impacts of the climate crisis and that not everyone contributes to the climate crisis to the same extent. Such injustices exist at the local level (e.g., when less privileged people cannot afford air conditioning to protect themselves from the heat) and also at the global level. Countries in the Global North* have been emitting more greenhouse gases for centuries, and our way of life is based on the exploitation of people, animals, and nature in the Global South*. Such forms of discrimination must be viewed through an intersectional lens. This means that individuals may experience multiple forms of oppression and are affected differently when various forms of discrimination overlap. In regions of the Global South that suffer from drought more than countries in the Global North, a female farmer, for example, is hit especially hard. During heat waves, a chronically ill BIPOC* person is particularly disadvantaged.<\/p>\n\n\n\n<p>We resist these injustices and actively fight for our vision of a climate-just world in which a good and self-determined life is possible for everyone. Rich countries must take responsibility and make up for the damage they have caused to ensure a more just future. As residents of such a country, we are<br>aware of our privileged position and want to take responsibility and use our privileges in the fight for a more just world. At the same time, as a predominantly <em>white<\/em>* and academic group in Europe, we must continually and critically reflect our own role and position of power. We recognize the importance of anti-racist and anti-colonial climate activism, in which the dominance of <em>white<\/em>* people is challenged and climate activism from the Global South*, from BIPOC, workers, and migrants receives greater attention. The voices of affected individuals and groups should be given more space, and they should have a say in how we discuss the climate crisis and in decisions about what must be done to address it. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>The Connection Between Climate Justice, Anti-Imperialism, and Solidarity with Palestine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Climate justice can only be achieved in combination with anti-imperialist, anti-colonial, and anti-militarist struggles. Our resistance must be a global fight against oppression, exploitation, and injustices of all kinds. That is why we oppose the global economic and social order in which groups are murdered, displaced, exploited, and disenfranchised for the sake of power and profit. <\/p>\n\n\n\n<p>We acknowledge that parts of the German-speaking climate justice movement have long neglected to reflect on global exploitative conditions and to show solidarity with anti-imperialist struggles, particularly those against the oppression of Palestinians. This includes the Climate Camp. We take this mistake very seriously and apologize for our past silence and our delayed recognition of responsibility. We acknowledge that this hesitation stems from our <em>white<\/em>* privilege and is therefore racist. Since we are not directly affected by the violence and repression faced by the Palestinian movement, we havefully neglected to engage with the genocide in Gaza and to take a clear stance on the matter. This position paper is a first attempt to take action, critically reflect on our past failure to take a stand, and deepen our engagement with the issues of Palestine, anti-imperialism, and decolonialism. As part of the climate justice movement, we stand in solidarity with groups fighting against imperial and colonial exploitation in Palestine, Sudan, the Congo, and other regions. For only together, side by side, can we build enough strength to confront all structures of violence and domination, both local and global. <\/p>\n\n\n\n<p>As part of this process of reflection, we want to focus our attention on anti-imperialist and anti-colonial struggles at this year\u2019s Climate Camp and create space for exchange, learning, and resistance on these issues. We want to encourage people from the climate justice movement to engage with international liberation struggles (in Palestine and other regions) and to strengthen collective reflection and active solidarity. At the same time, we want to create opportunities for networking within Palestine solidarity movements and offer spaces for affected communities or resistance groups that can be shaped according to their own needs and ideas. <\/p>\n\n\n\n<p>As organizers of this year\u2019s Climate Camp, it is particularly important to us to express our solidarity with the decades-long resistance of Palestinians against Israeli occupation and genocide. We stand in solidarity with those groups who are fighting against Israeli genocide, apartheid, and settler colonialism locally and around the world, and who have faced severe repression and a lack of support for their resistance, particularly in Austria. We especially support grassroots struggles against war, genocide, exploitation, and oppression, and for an anti-capitalist, solidarity-based, and just society. We are convinced that movements that represent and reproduce fascist, fundamentalist, or patriarchal ideologies are not fighting for people\u2019s liberation.<\/p>\n\n\n\n<p>We oppose all forms of injustice and discrimination and explicitly speak out against anti-Muslim racism and Antisemitism. As a group operating within and benefiting from an imperial center, we take our responsibility seriously to oppose the inhumane actions of Austrian politics and business. We condemn the support for Israel \u2013 in the form of arms deliveries as well as technological, economic, and diplomatic cooperation \u2013 by Western states, particularly by Austria, and their resulting involvement in the suffering of Palestinians. We strongly oppose any attempt to legitimize or downplay the oppression of Palestinians and the genocide committed against them. We reject voices that portray the ceasefire announced in October as a solution, while Israeli attacks continue on an almost daily basis and decades-long oppression, occupation, and dispossession continue. The genocide must not be used to justify Antisemitism. At the same time, we oppose the instrumentalization of the term Antisemitism to delegitimize criticism of the State of Israel and imperialist structures.<\/p>\n\n\n\n<p>We acknowledge the suffering and injustices experienced by countless people as well as the historical and current traumas of Jewish, Muslim, and Palestinian communities. The massacre of Israeli civilians by Hamas on October 7, 2023, shocked us, and we distance ourselves from it. The subsequent, far more devastating attacks and war crimes committed by Israel, in which tens of thousands of Palestinians were murdered, Gaza was left in ruins, and the displacement of Palestinians in the West Bank was intensified, horrify us. The events of recent years must be viewed within their historical context. The discrimination, dehumanization, dispossession, displacement, and murder of Palestinians began decades before the Hamas attack on October 7, 2023. We consider this historical continuity of land theft, structural discrimination, and the killing of Palestinians central. The founding of the State of Israel is closely linked to the history of global antisemitic persecution and the lack of protection for Jewish populations, particularly in Europe. At the same time, the ideology of Zionism* and the imperial interests of other states also played a major role. In the context of the state\u2019s founding, crimes were committed against Palestinians that continue to this day and cannot be justified in any way.<\/p>\n\n\n\n<p>This year at the Climate Camp, we want to continue addressing these issues, with a focus on the Lobau Highway, cuts in social spending, and anti-imperialism. These struggles are connected, and only together can we create a just change. Active solidarity with people engaged in resistance is a key priority. We invite those affected and interested to get involved and help shape the camp with their contributions.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>GLOSSARY<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIPOC<\/strong> is a term for Black, Indigenous, and People of Color and is a self-identification used by people who are not perceived as white and\/or do not define themselves as such. \u201cBlack\u201d does not refer to an actual or assumed ethnic group, nor does it refer to skin color or a biological characteristic. It is a political term that refers to these people\u2019s experiences of racism and is therefore sometimes written in all caps and italics. \u201cIndigenous\u201d is a self-identification for population groups whose members were murdered or displaced from their land in the course of colonialism and who are often still<br>exploited today.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>White<\/strong><\/em> is written in italics to signal that it does not refer to skin color, but to a position of social power. Thus, <em>white<\/em> is not merely an adjective, but a political term. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>FLINTA*<\/strong> is a term for female, lesbians, intersex, non-binary, trans and agender people. The asterisk stands for people who do not identify with the terms listed but who also experience discrimination due to their gender identity.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Global South\/North<\/strong> are not geographical designations, but rather concepts that refer to the different positions of countries in the global context and describe social, political, and economic inequalities. They highlight the differing experiences of colonialism and exploitation and seek to avoid derogatory terms (e.g., \u201cThird World,\u201d \u201cdeveloping country\u201d). The term \u201cGlobal South\u201d refers to regions and population groups that, in comparison to others, have been historically and currently disadvantaged, exploited, and oppressed. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Majority World<\/strong> is increasingly used as an alternative to the term \u201cGlobal South.\u201d The term makes it clear that these countries and groups constitute the majority of the world\u2019s population, yet they are often marginalized and do not have an equal say in political decisions. In contrast, \u201cMinority World\u201d refers to economically and politically dominant countries and groups that, despite their smaller numerical share of the world\u2019s population, hold a disproportionate amount of power.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zionism<\/strong> is a nationalist political ideology aimed at establishing and maintaining a Jewish nation-state in the historical territory of Palestine. Zionism emerged in the 19th century in the context of a sharp rise in antisemitic crimes and takes various forms and has different definitions. Zionism was the central ideology behind the founding of the State of Israel and led to the displacement and murder of countless Palestinians. Like many pro-Palestinian and left-wing Jewish groups, we view Zionism as a colonialist settler movement that has led to and legitimized dispossession, occupation, and an apartheid state. Zionism is not equivalent to Judaism.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ENGLISH version below Dieser Text ist ein Versuch der Klimacamp-Gruppe 2026, unser Verst\u00e4ndnis von Klimagerechtigkeit und internationaler Solidarit\u00e4t darzustellen und Stellung zu anti-imperialen und anti-kolonialen K\u00e4mpfen zu beziehen. Der Text dient auch als Entschuldigung f\u00fcr unser Schweigen zum Genozid an Pal\u00e4stinenser:innen und f\u00fcr unsere fehlende Positionierung dazu. 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